Die Kokerei Zollverein

wie sie heute nicht mehr zu sehen ist.
Die beiden, recht seltenen, Ansichten zeigen die ehem. auf der Nordseite der Ofenbatterien verlaufende Bandbrücke zur Beschickung der Gasgeneratoranlage (Bild 1  links im Hintergrund) mit Kleinkoks und Koksgrus aus der Sieberei (rechts).
Die Eigenerzeugung von Schwachgas (Generatorgas) aus Koks ermöglichte es  der Kokerei, in Ermangelung eines Gasverbundes mit einem benachbarten Hüttenwerk, bis zu 800.000 m³  ihres Kokereigases (Starkgas) am Tag zusätzlich in das lukrative Ferngasnetz abzugeben.
Mit der Verdrängung des Stadtgases durch höherenergetisches und billigeres Erdgas in den 1960er Jahren wurde dieser Weg zunehmend unattraktiv.
Nach der Erweiterung der Kokerei um die beiden Großbatterien 0 und 9 (im Bild noch nicht zu sehen) in 1972 wurde daher die Schwachgaserzeugung eingestellt und die Generatoranlage nebst Bandbrücke verschwanden.
Fortan erzeugten die beiden neuen  Batterien Gas für den Eigenverbrauch aller Koksöfen und die alten Batterien 1-8  gaben ihr Gas weiter in das Netz ab.
Um den unterschiedlichen Ansprüchen der Abnehmer an den Reinheitsgrad des Gases zu entsprechen wurde die Gasreinigung getrennt.

Florange

Der Osten Frankreichs war einmal das Land der Blasststahlwerke, nirgends auf der Welt arbeiteten so viele Konverter wie auf der roten Erde Lothringens. 1965 waren es noch 81, sechs mehr als in der BRD.
Im Oktober 2011 legte ArcelorMittal in Florange die beiden letzten still.
2018 wurde das (längst feststehende) endgültige Ende der Flüssigphase im Tal der Fensch verkündet. Das Stahlwerk wartet seit dem auf seinen Abriss.
Der Komplex (inzwischen auch von der “Urbex”-Szene entdeckt) ist immer noch hochinteressant, birgt er doch Spuren von fünf verschiedenen Stahlwerken die die technische Entwicklung der Stahlerzeugung seit dem 2. Weltkrieg dokumentieren.

1956

1948 war als Gemeinschaftsunternehmen verschiedener französischer Stahlhersteller die Société Lorraine de Laminage Continu (Sollac) gegründet worden. Ziel war es die immensen Investitionen für eine kontinuierliche Warmbreitbandstrasse nach amerikanischem Vorbild gemeinsam zu stemmen.
1954 ging das Walzwerk in Serémange im Fenschtal in Betrieb.
Um die neue Straße mit Vormaterial zu versorgen war geplant von der DEMAG, Duisburg im benachbarten Florange eines der größten Stahlwerke Europas bauen zu lassen.
Das kombinierte SM-Thomasstahlwerk sollte sechs Konverter und sechs Siemens-Martin-Öfen in Reihe umfassen. Gebaut wurden schließlich 4 Öfen und 4 Konverter in zwei Gruppen sowie drei Roheisenmischer. Das SM-Stahlwerk ging 1953 in Betrieb das Blasstahlwerk folgte zwei Jahre später.
Da die Qualität des Thomasstahls für die Produktion von Feinblechen nur bedingt zu verwenden, der SM-Stahl verhältnismäßig teuer und das neue LD-Verfahren für die phosphorreichen lothringischen Erze ungeeignet war installierte Sollac anstatt eines fünften SM-Ofens ein Kaldostahlwerk.
Der dort um seine Längsachse rotierende 110 t Sauerstoffaufblaskonverter wurde 1960 wieder von der DEMAG geliefert.
Im Oktober 1973 baute man zu Erprobungszwecken den Thomas-Konverter 4 zu einem 65 t L.W.S.-Konverter um. Bei diesem in Frankreich entwickelten Verfahren (Loire-Wendel-Sprunk) wurden Sauerstoff und Kalk von unten durch die Schmelze geblasen, so ließen sich in ehem. Thomaskonvertern hochwertige Stähle auch aus der lothringischen Minette erzeugen. Nach einer erfolgreichen Testphase rüstete man dann Ende 1975 auch die übrigen Thomas-Konverter um.

1976

Ab 1976 begann dann die Planung eines zweiten L.W.S.-Stahlwerks mit 240 t Konvertern.
Dafür wurde noch im gleichen Jahr das alte SM-Stahlwerk stillgelegt und auf ein einem Teil seiner Fläche mit dem Bau der neuen Konverterhalle begonnen. Im Juli 1978 gingen die beiden L.W.S.-Konverter in Betrieb, ein zunächst geplanter dritter wurde nie gebaut.
Das kostenintensive Kaldostahlwerk legte die Sollac im Dezember 1978 still und auch das
L.W.S.-Stahlwerk 1 mit seinen vier 65 t Konvertern wurde im Sommer 1980 ein Opfer der Stahlkrise.

L.W.S.-Stahlwerk, rechts d. Kaldo-Stahlwerk

Von allen Stahlwerken und der Mischerhalle dürften heute noch Baulichkeiten erhalten sein, das L.W.S.-Stahlwerk 1 wurde etwa zur Hälfte (Konverter 3-4) abgerissen. Siehe Karte.

Haus Ende

Auch wenn sein “Stammwerk” (1905-1926), die Dortmunder Union, kürzlich dem Erdboden gleich gemacht wurde, seine Villa in Herdecke-Ostende steht noch.
Eine meiner Coronawanderungen brachte mich am Dienstag zu Albert Vöglers letztem Domizil.
Hier nahm Vögler der Vorstandsvorsitzende des damals größten deutschen Stahlkonzerns, der Vereinigten Stahlwerke AG, am 14. April 1945, unmittelbar nach seiner Verhaftung durch die U.S.-Armee, eine zuvor besorgte Zyankalikapsel zu sich und entzog sich so der Verantwortung für die Kriegsverbrechen seines Konzerns.
Der drei Tage vorher in Essen verhaftete Alfried Krupp von Bohlen und Halbach wurde im Januar 1951 begnadigt, vermutlich hätte Vögler ein ähnliches Schicksal gedroht.
Vögler, der nie Parteimitglied war, ist eine der zahlreichen zwielichtigen Figuren in der Stahlindustrie des 3. Reichs gewesen. Nach dem Krieg wurde sein Wirken eher unkritisch beurteilt (erst 1968 verschwand Vöglers Name  vom” Welterbeschacht” Zollverein 12).
Eine differenzierte Würdigung seiner Person durch Manfred Rasch hier.
Haus Ende war schon 1911 für den eingefleischten Junggesellen Robert Müser (Harpener Bergbau AG) als Partyschlösschen im neobarocken Stil erbaut worden.
Nach dessen Tod übernahm Albert Vögler die Immobilie 1919 und ergänzte das Haus durch umfangreiche Bunkeranlagen auch für div. Führerbesuche.
Heute befindet sich ein Schulungszentrum des Bundes in der Villa.

Rheinstahl-Union Brückenbau


Obwohl die Union Brückenbau streng genommen schon seit der Gründung der Vereinigten Stahlwerke 1926 nicht mehr zum benachbarten Hüttenwerk gehörte habe ich die Hallen des ab 1957 unter dem Namen Rheinstahl-Union Brückenbau AG firmierenden Stahlbaukonzerns nun der Kartierung der DHHU, 1957 hinzugefügt.
Rheinstahl baute hier in den 1950er Jahren noch Brücken, Weichen, Wehranlagen, Schleusentore, Stahlfenster und in Lizenz der amerikanischen Harnischfeger Corp. Bagger (P&H). Nach der Übernahme von Rheinstahl durch Thyssen und der Zusammenlegung des Betriebs am Sunderweg mit Klönne war die Firma Harnischfeger  bis 1991 auch der letzte Nutzer des riesigen Hallenkomplexes.
Die Reste der einst 360 Meter langen Brückenbauhalle wurden 1995 abgerissen.

The last new blast furnace site in Lorraine

was built 60 years ago by Oberhausen-based GHH for the French steel group De Wendel in Jœuf.
The largest blast furnace in France at the time, J1, with a hearth diameter of 8.6 meters, was first blown in July 1961.
The slightly larger J2 furnace was commissioned three years later. The projected blast furnaces 3 and 4 were never realized.
A sintering plant was built in a side valley of the Orne with what was reportedly the largest sinter belt in the world at the time (288 m²).
In 1968, De Wendel merged with Sidelor and the blast furnaces and the Bessemer steelworks in the neighboring old Jœuf plant were shut down.
Blast furnaces J1 and J2 now became part of Wendel-Sidelor’s extensive pig iron supply. This included 22 blast furnaces (plus 8 in reserve) at 7 locations with a daily capacity of 22,300 t.
The switch in iron ore supply to the French blast furnaces from low-grade domestic minette to high-grade imported ores in the 1970s and 80s brought an end to iron production at this remote site.
Furnace J1 was blown out on December 23, 1988, and blast furnace J2 on November 10, 1989.

 

Kartierung Hoesch AG, Westfalenhütte, 1966

Das Jahr 1966 brachte folgenreiche Veränderungen für die Hoesch Westfalenhütte in Dortmund mit sich. Am 1. Oktober übernahm ihr Mutterkonzern den Lokalrivalen, die Dortmund-Hörder Hüttenunion AG. Mit nun 5,4 Mio. Jahrestonnen wurde Hoesch zum zweitgrößten Stahlproduzenten in Deutschland und die Westfalenhütte eine Zweigniederlassung der Hoesch AG Hüttenwerke.
Schon im darauf folgenden Jahr begann die Verlagerung von Produktion an die neuen Standorte Hörde und Union. Das Thomaswerk und div. Profilstraßen auf der Westfalenhütte wurden stillgelegt. Gut zu erkennen sind in der Karte die großen Komplexe der neuen kontinuierlichen Walzwerke und die dafür zur Verfügung stehenden immensen Erweiterungsflächen im Nordosten des Stammwerks. Nur die kont. Halbzeugstraße musste weil sie in einer Hitze mit der vorhandenen Blockstrasse arbeitete im Bereich der alten Hütte errichtet werden. Dafür wurde 1954 das alte Blechwalzwerk geschlossen und abgerissen.
Im Juni 1966 wurde die Zeche Kaiserstuhl stillgelegt, damit endete nach 75 Jahren die Steinkohlenförderung auf der Hütte. Die Kokerei Kaiserstuhl 2 ging 1969 an die Bergbau AG Dortmund (RAG) und wurde im Dezember 1991 geschlossen.

Am 30.9.1966 beschäftigte die Westfalenhütte 15862 Mitarbeiter.
Die weitere Entwicklung des Standorts hatte ich bereits hier beschrieben.

Dank an das thyssenkrupp Konzernarchiv, das Stadtarchiv Dortmund und das SMS Group Unternehmensarchiv für die Unterstützung bei der Erstellung dieser Karte.

8619 Beschäftigte

hatte dieses mittelgroße Hüttenwerk mit einer Roheisenkapazität von 2,8 Mio. T/J in den 1970er Jahren (ohne Hauptverwaltung).
In den Medien werden bei der Berichterstattung über die Stahlindustrie meist Mitarbeiter aus dem Hochofen- oder Stahlwerksbereich gezeigt. Diese machten aber nur etwa ein Achtel der Gesamtbelegschaft eines Hüttenwerkes aus.
Dieses Dokument zeigt einmal wie sich die Beschäftigten auf die zahlreichen Abteilungen verteilten.

Catedrales de Acero


Obwohl schon 12 Jahre alt ist dieser 350 Seiten-Kracher eine echte Empfehlung zum Fest.
Die Geschichte der asturischen Stahlindustrie, und zwar nicht seit Adam und Eva sondern ab da wo es wirklich interessant wird, also ab 1950. Das ganze anhand von Fotografien die offenbar überwiegend auf Großformatnegativen entstanden sind.
Schwerpunkt sind die ENSIDESA in Aviles und die UNINSA in Verina. Aber auch die Werke in La Felguera, Mieres und Gijon werden berücksichtig.
Die Infos sind knapp aber hilfreich.
Eine ähnliche Publikation eines deutschen Stahlkonzerns ist mir nicht bekannt.