皇帝 椅子

© RVR, 1998, dl-de/by-2-0

As is well known, the Kaiserstuhl coking plant in Dortmund, Germany was shut down 20 years ago, after only eight years of operation, and sold to China.
There, in the mining province of Shandong, the plant was rebuilt and put back into operation in 2006.
Rumor has it (e.g., Peter Liszio in “Der Kokshochofen”, 2015) that it was already shut down again in 2012 after major start-up problems.

© Google, CNES/Airbus 2021

That seemed a bit surprising to me. So I did a little research on this plant and indeed Kaiserstuhl still exists. The plant was even modernized again in 2019.
And as before, the coke dry cooling device is still more of a decorative nature.

Denkmäler

Bild 1

Bild 2
Krupp 1861
Bochumer Verein 1866

Bei einem zweiten nicht zugänglichen Industriedenkmal der Stadt Bochum handelt es sich um das Hammerwerk II des Bochumer Vereins (Bild 1 r. i. Hintergrund).
Die Halle wurde 1866 im Bereich der Gussstahlfabrik an der Alleestraße für die Dampfhämmer  des BV erbaut.
Es handelt sich nachweislich um die erste bekannte Dreigelenkskonstruktion im Hochbau und eine der wenigen erhaltenen Industriehallen die noch in Schmiedeeisen nach dem Puddelverfahren ausgeführt wurden.
Fünf Jahre zuvor hatte die Firma Krupp für ihren Hammer “Fritz” in Essen noch eine Halle mit massiven gusseisernen Tragsäulen und einer starren Dachkonstruktion aus Holz bauen lassen.
Die leichte, flexible, vibrations- und temperaturresistente  Dreigelenkskonstruktion des BV war dem weit voraus. (Bild 2).
Diese von Johann Wilhelm Schwedler entworfene und von der Firma Jacobi, Haniel & Huyssen in Oberhausen ausgeführte Technik war bis dahin nur im Brückenbau eingesetzt worden.
Mit Einführung von Hydraulikpressen im späten 19. Jhd. entfielen die Vibrationen im Schmiedebetrieb weitgehend, Dreigelenkshallen fanden nun vor allem im nichtindustriellen Bereich und dort besonders in Bahnhofshallen Verwendung.

Bild 3
© RVR, 2019, dl-de/by-2-0

Die Bochumer Halle ist 97 m lang, 38 m breit und 22 m hoch und wird von 21 Bindern mit jeweils zwei Fuß- und einem Scheitelgelenk getragen.
Zwischen 1900 und 1908 wurde die Halle um 52 Meter nach Norden erweitert und später komplett umbaut (Bild 3).

1963 betrieb der Bochumer Verein im Bereich des alten Hammerwerks noch zwei Schmiedepressen (Presswerk 1; 800 t u. 2000 t) und ein Ringwalzwerk. Im nördlichen Anbau waren ein weiteres Ringwalzwerk und vier Dampfhämmer (auf Pressluft umgestellt) untergebracht.
Heute ist nur noch der in dem niedrigeren nördlichen Anbau untergebrachte Hammer 48 (6 t) in Betrieb (Bild 4).
Im alten Hammerwerk arbeitet ein modernes Ringwalzwerk.
Die Halle befindet sich seit 1990 im Besitz der Stadt Bochum wird aber weiter durch die Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH genutzt.

Bild 4

Absolut empfehlenswert zu diesem Thema, auch wg. der harschen Kritik am Denkmalschutz 2. Klasse für Industriebauten:
Ulrike Robeck,
Die älteren Hallen des Bochumer Vereins
Als Zweckbauten und Denkmale der Eisen- und Stahlindustrie.
ISBN 978-3-8053-4279-7

Nachtrag Roheisenverbund

Die von Krupp hergestellten Roheisenpfannen wurden auch von anderen Stahlherstellern genutzt, z.B. von Klöckner auf der Route Georgsmarienhütte-Bremen oder später (mit geänderten Wagennummern) von Thyssen zwischen Oberhausen und Hattingen.

Einer der letzten noch existierenden Wagen wurde im Januar von Duisburg zu einer Spedition in Hattingen überführt. Er soll später im LWL-Industriemuseum Henrichshütte ausgestellt werden.
Danke für die Infos und die Bilder an Christoph Oboth.

 

 

Roheisenverbund

Ende Juni 1968 wurde der letzte Bochumer Hochofen, der Ofen 1, stillgelegt, fortan mussten die Bochumer Stahlwerke der Fried. Krupp Hüttenwerke von Rheinhausen aus mit Roheisen versorgt werden.
Am 16.2.1968 begann der am längsten währende Roheisenverbund über das DB-Netz in der Geschichte des Ruhrgebiets.

Roheisenzug b. Essen-Frohnhausen © Eisenbahnstiftung, H.D.Kremer

Der Roheisenbedarf des LD-Stahlwerks Bo-Höntrop lag 1967 bei 60.000 t/m, die Siemens-Martin Stahlwerke benötigten, bei 30%-Einsatz, etwa 15.000 t/m.
Diese Mengen wurden nun in, von Krupp speziell für den DB-Einsatz entwickelten, Roheisenpfannen  angeliefert.
Durch Ein-Konverterbetrieb im LD-Stahlwerk und Stilllegung von SM-Öfen konnte der Verbrauch zwar gedrosselt werden, trotzdem rollten schon innerhalb der ersten beiden Jahre 1 Mio. Tonnen Roheisen nach Bochum.
Täglich fuhren zunächst zwischen 12-14 Roheisenzüge.
Die für den Transport genutzten Torpedopfannen unterschieden sich deutlich von den werksinternen Fahrzeugen.
Um die Achslast auf den DB-Strecken zu minimieren waren sie sehr lang (34m) und schmal und hatten eine relativ geringe Zuladung von nur 160 t Roheisen. Das Gesamtgewicht betrug 374 t und verteilte sich auf 18 Achsen.
Das 1400 Grad heiße Eisen kühlte bei der circa 70 Min. dauernden Fahrt um etwa 6 °C ab.
Um die von der DB geforderte max. Außentemperatur von 80 °C einzuhalten verwendete Krupp gelochte Distanzbleche an der Außenseite der Behälter.
Die Streckenführung lief über Mühlheim und dann auf der Trasse der ehem. Rheinischen Bahn über Essen-Nord, Gelsenkirchen-Wattenscheid nach Bochum-Nord.
Die zunächst eingesetzten Dampfloks konnten nach der Elektrifizierung der Rheinischen Bahn durch leistungsstärkere E-Loks ersetzt werden, was vor allem auf der Steigungsstrecke aus dem Ruhrtal bei Mülheim von Vorteil war.
Häufig gemeinsam mit den Torpedopfannen transportierte Krupp  30.000-40.000 t/m heiße Stahlblöcke in speziellen Thermowagen zur Versorgung des Warmbreitbandwerks nach Bochum.
1982 wurde das letzte Siemens-Martin Stahlwerk in Bochum stillgelegt und die Produktion durch den neuen UHP-Lichtbogenofen übernommen.
Die Roheisentransporte konnten nach 14 Jahren eingestellt werden.

Denkmäler

Die Denkmalliste der Stadt Bochum führt 1328 Baudenkmäler auf, davon 979 Wohnhäuser und 97 Grabstellen.
1967 arbeiteten 30 % der 65540 Industriebeschäftigten der Stadt Bochum (noch ohne Wattenscheid) in der Eisen- und Stahlindustrie, doppelt so viele wie im Bergbau und mehr als in jeder anderen Branche der Stadt.
Mit der bevorstehenden Stilllegung div. Produktionsbereiche durch ThyssenKrupp stellt sich die Frage was von diesem Teil der Stadtgeschichte in Zukunft noch sichtbar bleiben wird.
Elf Objekte von der Denkmalliste sind direkt der Stahlindustrie zuzuordnen (ohne Wohnhäuser und Grabstellen) drei davon waren Teil der Produktionsbetriebe (Wobei der Standort Jahrhunderthalle div. Baulichkeiten einschließt).

Nach dem Abriss des Wasserhochbehälters (Bauart Klönne) in 2012 befindet sich auf dem Gelände der ehem. Stahlwerke Bochum AG an der Castroperstrasse nur noch ein geschütztes Objekt; das  Verwaltungsgebäude.
Der Bau wurde in mehreren Erweiterungen zwischen 1919 und 1955 errichtet und zeigt daher anschaulich die verschiedenen Epochen repräsentativen Bauens in der Stahlindustrie zur Zeit der Hochindustrialisierung.

© RVR, 2019, dl-de/by-2-0

Besonders die in den 1950er Jahren gestaltete Eingangshalle mit ihrem Lichthof und den Schauvitrinen spiegelt die Bedeutung der SWB in der Nachkriegszeit als moderner Hersteller von Qualitätsstählen mit über 5000 Mitarbeitern wieder.

Das Gebäude ist seit 2010 geschützt und, auch von außen, nicht öffentlich zugänglich.

Haus Ende

Auch wenn sein “Stammwerk” (1905-1926), die Dortmunder Union, kürzlich dem Erdboden gleich gemacht wurde, seine Villa in Herdecke-Ostende steht noch.
Eine meiner Coronawanderungen brachte mich am Dienstag zu Albert Vöglers letztem Domizil.
Hier nahm Vögler der Vorstandsvorsitzende des damals größten deutschen Stahlkonzerns, der Vereinigten Stahlwerke AG, am 14. April 1945, unmittelbar nach seiner Verhaftung durch die U.S.-Armee, eine zuvor besorgte Zyankalikapsel zu sich und entzog sich so der Verantwortung für die Kriegsverbrechen seines Konzerns.
Der drei Tage vorher in Essen verhaftete Alfried Krupp von Bohlen und Halbach wurde im Januar 1951 begnadigt, vermutlich hätte Vögler ein ähnliches Schicksal gedroht.
Vögler, der nie Parteimitglied war, ist eine der zahlreichen zwielichtigen Figuren in der Stahlindustrie des 3. Reichs gewesen. Nach dem Krieg wurde sein Wirken eher unkritisch beurteilt (erst 1968 verschwand Vöglers Name  vom” Welterbeschacht” Zollverein 12).
Eine differenzierte Würdigung seiner Person durch Manfred Rasch hier.
Haus Ende war schon 1911 für den eingefleischten Junggesellen Robert Müser (Harpener Bergbau AG) als Partyschlösschen im neobarocken Stil erbaut worden.
Nach dessen Tod übernahm Albert Vögler die Immobilie 1919 und ergänzte das Haus durch umfangreiche Bunkeranlagen auch für div. Führerbesuche.
Heute befindet sich ein Schulungszentrum des Bundes in der Villa.

Rheinstahl-Union Brückenbau


Obwohl die Union Brückenbau streng genommen schon seit der Gründung der Vereinigten Stahlwerke 1926 nicht mehr zum benachbarten Hüttenwerk gehörte habe ich die Hallen des ab 1957 unter dem Namen Rheinstahl-Union Brückenbau AG firmierenden Stahlbaukonzerns nun der Kartierung der DHHU, 1957 hinzugefügt.
Rheinstahl baute hier in den 1950er Jahren noch Brücken, Weichen, Wehranlagen, Schleusentore, Stahlfenster und in Lizenz der amerikanischen Harnischfeger Corp. Bagger (P&H). Nach der Übernahme von Rheinstahl durch Thyssen und der Zusammenlegung des Betriebs am Sunderweg mit Klönne war die Firma Harnischfeger  bis 1991 auch der letzte Nutzer des riesigen Hallenkomplexes.
Die Reste der einst 360 Meter langen Brückenbauhalle wurden 1995 abgerissen.

Kartierung Hoesch AG, Westfalenhütte, 1966

Das Jahr 1966 brachte folgenreiche Veränderungen für die Hoesch Westfalenhütte in Dortmund mit sich. Am 1. Oktober übernahm ihr Mutterkonzern den Lokalrivalen, die Dortmund-Hörder Hüttenunion AG. Mit nun 5,4 Mio. Jahrestonnen wurde Hoesch zum zweitgrößten Stahlproduzenten in Deutschland und die Westfalenhütte eine Zweigniederlassung der Hoesch AG Hüttenwerke.
Schon im darauf folgenden Jahr begann die Verlagerung von Produktion an die neuen Standorte Hörde und Union. Das Thomaswerk und div. Profilstraßen auf der Westfalenhütte wurden stillgelegt. Gut zu erkennen sind in der Karte die großen Komplexe der neuen kontinuierlichen Walzwerke und die dafür zur Verfügung stehenden immensen Erweiterungsflächen im Nordosten des Stammwerks. Nur die kont. Halbzeugstraße musste weil sie in einer Hitze mit der vorhandenen Blockstrasse arbeitete im Bereich der alten Hütte errichtet werden. Dafür wurde 1954 das alte Blechwalzwerk geschlossen und abgerissen.
Im Juni 1966 wurde die Zeche Kaiserstuhl stillgelegt, damit endete nach 75 Jahren die Steinkohlenförderung auf der Hütte. Die Kokerei Kaiserstuhl 2 ging 1969 an die Bergbau AG Dortmund (RAG) und wurde im Dezember 1991 geschlossen.

Am 30.9.1966 beschäftigte die Westfalenhütte 15862 Mitarbeiter.
Die weitere Entwicklung des Standorts hatte ich bereits hier beschrieben.

Dank an das thyssenkrupp Konzernarchiv, das Stadtarchiv Dortmund und das SMS Group Unternehmensarchiv für die Unterstützung bei der Erstellung dieser Karte.

Das Oxygenstahlwerk der Westfalenhütte

wurde bekanntlich nie gebaut und hätte das Aus für die Dortmunder Stahlproduktion vermutlich um einige Jahre verzögert.
Für die Hoeschianer war der Kampf um ihr “Stahlwerk jetzt” ein jahrzehntelanges Drama
welches schon Mitte der 1960er Jahre begann.
Damals gab es bei der Westfalenhütte erste Pläne für den Bau eines eigenen Oxygenstahlwerks als Ersatz für das veraltete Thomas-Stahlwerk.
Durch die Übernahme der Dortmund-Hörder Hüttenunion kam Hoesch dann aber 1966 in den Besitz des, transportungünstig gelegenen, LD-AC Stahlwerks in Hörde und die Pläne wurden zurückgestellt.
Mit der Stahlhochkonjunktur Anfang der 1970er Jahre gab es einen zweiten Anlauf, diesmal sollte ein neues LD-Stahlwerk die veralteten Siemens-Martin Stahlwerke 1-3 ersetzen und die Lang- und Profilstahlsparte von Hoesch versorgen. Das Stahlwerk in Hörde sollte erhalten bleiben und den Flachstahlbereich beliefern.
Am 23.12.1971 kam es dann zum ersten Spatenstich nördlich der Kokerei Kaiserstuhl im Bereich der stillgelegten Steinfabrik. 3,1 Mio. t/j sollte die Anlage zunächst erzeugen, dann wurde die Kapazität auf 2,1 Mio t/j abgespeckt und das Projekt schließlich ganz beerdigt.
Laut Detlev Karsten Rohwedder, dem späteren Vorstandsvorsitzenden von Hoesch, auf Betreiben des neuen Hoeschpartners der niederländischen ESTEL-Gruppe.
Stattdessen kam man zu der fatalen Fehleinschätzung die veralteten SM-Werke würden kostengünstiger produzieren als ein neues LD-Stahlwerk.
Dabei wurden die ungewöhnlich niedrigen Schrottkosten Anfang der 70er-Jahre vorausgesetzt und die Tatsache, daß die SM-Stahlwerke (wg. der langen Einschmelzzeiten) nicht strangussfähig waren außer Acht gelassen.
Diese wurden nun, um den gesetzlichen Auflagen zu entsprechen, für 200 Mio. DM entstaubt.
1979, mitten in der Stahlkrise, erzeugte Hoesch noch ein Drittel seiner 6. Mio. Tonnen Stahl in veralteten Siemens-Martinöfen.

LD-Stahlwerk, Westfalenhütte. Luftbild, Regionalverband Ruhr

Anfang der 1980er Jahre kam es dann zum dritten Anlauf für den Stahlwerksneubau. Diesmal sollte ein Oxygenstahlwerk mit Stranggussanlage für 500 Mio. DM direkt neben der Warmbreitbandstrasse und z.T. in den Hallen des SM-Stahlwerks 3 errichtet werden.
Dieses sollte nicht nur die Siemens-Martinöfen überflüssig machen sondern auch das inzwischen ebenfalls veraltete Oxygenstahlwerk in Hörde ersetzen. Um mit der verminderten Rohstahlkapazität weiterproduzieren zu können sollten die Halbzeug- und die Feineisenstrassen auf der Westfalenhütte, die Mitteleisenstrasse bei der Union und das Grobblechwalzwerk in Hörde stillgelegt werden.
Das geschah auch, das neue Stahlwerk wurde trotzdem nicht gebaut.
Stattdessen modernisierte man das Stahlwerk in Hörde und unterhielt noch fast 20 Jahre lang einen kostenintensiven Pendelverkehr zwischen den drei Werken.