Kartierung Hüttenwerk Oberhausen AG, 1965

Karte HOAG, 1965

Die Hüttenwerk Oberhausen AG (HOAG) war 1965 ein integriertes Hüttenwerk mit einer aus heutiger Sicht erstaunlichen Fertigungsbreite.
Allein am Standort Oberhausen waren 12 Walzstrassen in Betrieb.
Neben Massenprodukten aus Thomasstahl wurden auch Qualitätsstähle für Schmiedestücke, Radsätze und Bleche aller Art erzeugt.
Durch die zwangsweise Ausgliederung der GHH in Sterkrade und dem damit verbundenen Wegfall der Maschinen-, Stahl- und Anlagenbauaktivitäten in 1953 hatte die Fertigungstiefe allerdings deutlich gelitten.
Im September 1964 waren auf der Hütte 13.565 Arbeiter und Angestellte beschäftigt.
In den 1950er Jahren versuchte die HOAG mit einem groß angelegten Investitionsprogramm Anschluss an die technische Entwicklung in der Stahlindustrie zu halten.

Hochofen A

In diese Dekade entstanden der neue Großhochofen A (als dritter Großhochofen im Ruhrgebiet), die Blockbrammenstraße, die kontinuierliche Halbzeugstraße, die Feineisenstraße und 1957 schließlich die von Schloemann gefertigte 3,4 Meter Quarto-Grobblechstraße.
1960 waren noch das Siemens-Martin Stahlwerk 2b mit seinen beiden 250 t Öfen und 1963 die kont. Drahtstrasse 2 in Betrieb genommen worden.
Nach wie vor besaß die HOAG aber Mitte der 1960er Jahre noch kein modernes Blasstahlwerk. Versuche mit zwei Graef-Rotoren zur Erzeugung hochwertiger Stähle wurden 1961 eingestellt und spätere Pläne für den Neubau eines kompakten LD-Stahlwerk an Stelle des SM-Stahlwerks 2a nie realisiert.
Auch die ungünstige Lage des Werkes zum Rhein als Haupttransportweg für Importerze (1965 kamen 94,5 % der bei der HOAG verhütteten Erze aus dem Ausland) wurde zunehmend zur Belastung.
Der Bau eines zweiten Großhochofens (B) wurde daher zurückgestellt und eine Kapazitätserhöhung durch Modernisierung der Öfen 3,8 und 9 erzielt.

Siemens-Martin Stahlwerk 2b.
Stadtarchiv Oberhausen

1966 wurden das Siemens-Martin Stahlwerk 1 und die alte Drahtstrasse 1 stillgelegt.
1968 übernahm die August Thyssen Hütte AG die Aktienmehrheit an der HOAG.
Da bei der ATH ein zweites Oxygenstahlwerk (Bruckhausen) schon im Bau war beschloss man das Thomasstahlwerk in Oberhausen stillzulegen und die dadurch freiwerdende Roheisenmenge (60 % der HOAG-Erzeugung) fortan in flüssigem Zustand nach Duisburg zu liefern.
Eine schwarze Fahne am Hochofen 9 verkündete am 28.2.1969 das Ende der Eisenhütte 1. Der Ofen 8, der letzte noch produzierende am ältesten aktiven Hochofenstandort des Ruhrgebiets wurde ausgeblasen. Nun wurde nur noch auf der Eisenhütte 2 mit zwei Öfen Roheisen erzeugt.

Eisenhütte 1

Im Zuge der ATH-Übernahme kam es in Oberhausen noch zu zahlreichen weiteren Anlagenschließungen:
1968: Schwere Profilstraße (750er Straße), Thomasstahlwerk und Blockstraße.
1969: Pfannensinteranlage.
1970: Schlackenmühle, Sauerstoffanlage und Duogrobblechstraße.
1971: Mittelblechstraße, kont. Halbzeug- und 850er Vorblockstraße.
Im gleichen Jahr fusionierte die ATH ihre Töchter HOAG und Niederrheinische Hütte AG
zur Thyssen Niederrhein AG mit Sitz in Oberhausen (Umsatz 71/72: 1,37 Mrd. DM.).
Nördlich von Tor 3, an der Essenerstraße, war zwischen 1970 und 1977 eine Großversuchsanlage (Purofer) zur Direktreduktion von Eisenpellets zu Eisenschwamm in Betrieb. Die Tagesleistung lag bei 500 t.
1972 wurde auf dem Gelände der ehem. Zeche Oberhausen in der Halle der stillgelegten
Kaltbandscherenlinie ein neues Presswerk mit einer 2500 t Kümpelpresse in Betrieb genommen. Das alte Presswerk im Walzwerk Oberhausen wurde geschlossen.
Im gleichen Jahr stellte man den Hochofen A neu zu.
Im September 1972 waren 8965 Arbeiter und Angestellte auf der Hütte beschäftigt.
Der Hochofen 3 wurde im Februar 1975 stillgelegt, die Hütte produzierte nun mit nur noch einem Hochofen.
1977 verkündete der Vorstandsvorsitzende der Thyssen AG Dieter Späthmann “Das Siemens-Martin Stahlwerk unserer Tochtergesellschaft Thyssen Niederrhein in Oberhausen ist zu einer Quelle untragbarer Verluste geworden”. Noch im gleichen Jahr wurde ein Sanierungsprogramm beschlossen das die Weichen für die Flüssigphase am Standort Oberhausen stellte.
Hochofen und SM-Stahlwerk sollten durch ein modernes Elektrostahlwerk mit Knüppel-Stranggießanlage ersetzt werden. Vormaterial für die Grobblechstrasse sollte fortan aus Duisburg kommen, sodass auch die Blockbrammenstraße in Oberhausen 1977 stillgelegt werden konnte.
Baubeginn der 140 Mio. DM Investition war 1979.
In die Halle des im Juli 1977 stillgesetzten SM Stahlwerks 2b wurden zwei 120 t Elektrolichtbogenöfen eingebaut und am 27.2.1980 in Betrieb genommen.
Das SM Stahlwerk 2a lief während der Bauzeit weiter. Erst im März 1980 endete die Siemens-Martin Stahlproduktion in Oberhausen.
Schon im August 1979 war die Roheisenerzeugung in Oberhausen ausgelaufen. Der Hochofen A wurde stillgelegt und im Sommer 1980 gesprengt. Die 4000 t Stahlschrott konnten im neuen Elektrostahlwerk wieder eingeschmolzen werden.
Im Mai 1983 waren bei TN in Oberhausen noch 6010 Arbeiter und Angestellte beschäftigt.
Ende 1983 stellte die Thyssen Stahl AG (ehem. ATH) ein Strukturkonzept zur Kostenreduzierung in seinen Werken vor. Insgesamt sollten 8000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Thyssen begann seine Grobblechaktivitäten von Oberhausen und Hattingen auf die 1970 von Mannesmann übernommene und 1978 modernisierte Straße in Duisburg-Hüttenheim zu verlagern.

Quarto-Grobblechstrasse

Für Oberhausen bedeutete das die Schließung eines weiteren Kernaggregats; der 3,4 m Grobblechstrasse. Auch das Presswerk wurde 1984 stillgelegt. Der Ofen 1 im Elektrostahlwerk wurde auf Bodenabstich umgebaut, während des Umbaus nahm man den Ofen 2 wieder in Betrieb.
1986 stellte die Thyssen Stahl AG ein Profilstahlkonzept vor, daraufhin beendete die Feinstahlstraße in Oberhausen ihre Produktion.
Im gleichen Jahr verlor die Thyssen Niederrhein AG endgültig ihre Selbstständigkeit und wurde zur Betriebsabteilung der Thyssen Stahl AG.
1987 brachte das Ende für das 550er Mittelprofilwalzwerk.
Nun waren nur noch das Elektrostahlwerk und die Drahtstrasse 2 in Betrieb.
Bis Ende 1988 war die Belegschaft in Oberhausen auf etwa 2000 heruntergefahren worden.
1990 stellte auch das letzte Oberhausener Walzwerk, die Drahtstraße 2, die Produktion ein die Drahterzeugung wurde nach Duisburg-Hochfeld verlagert.
Nun verlieb nur noch die 1994 ausgegliederte Stahlwerk Oberhausen GmbH mit circa 500 Beschäftigten. Eine 1992 geplante Kooperation mit dem italienischen Stahlproduzenten Beltrame und der gemeinsam geplante Bau eines Stabstahlwalzwerks scheiterten auch an den Bauplänen für ein Einkaufszentrum auf der HOAG-Brache.
Am 19.12.1997 legte Thyssen das Elektrostahlwerk still, 2006 wurde es gesprengt.

Dank an das thyssenkrupp Konzernarchiv, das Stadtarchiv Oberhausen und das Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsarchiv in Köln für die Unterstützung bei der Erstellung dieser Karte.

22/38 Phoenix-Rheinrohr AG, Werk Hüttenbetrieb.

1959 gab es in der Bundesrepublik Deutschland noch 156 Hochöfen an 38 Standorten. Alle Standorte und alle Hochöfen sollen in dieser Serie im Kurzportrait vorgestellt werden.

Stadtarchiv Duisburg

Vier Hochöfen waren 1959 im heutigen Landschaftspark Nord vorhanden.
Der 1955 errichtete Hochofen 1, die beiden Öfen 3&4 die noch aus der Originalsubstanz von 1904/06 stammten, sie wurden noch über Senkrechtaufzüge und Hängebahnen begichtet, und der 1952 erbaute Hochofen 5. Der Hochofen 2 befand sich 1959 im Abbruch und ist erst 1963 wieder angeblasen worden.
Die Hochöfen 3&4 wurden Ende der 1960er Jahre stillgelegt und abgerissen und der Ofen 5 1973 unter Erhalt von Schrägaufzug und Windenhaus neu erbaut.

Hochofen 5

Anfang der 1980er Jahre wurde dann vor dem Hintergrund der weltweiten Stahlkrise die Roheisenproduktion im Werk Hüttenbetrieb (inzwischen wieder zu Thyssen gehörig) heruntergefahren und der Hochofen 1 1982 und der Ofen 2 1984 stillgelegt.
Der Hochofen 5 der nun nur noch Manganeisen erzeugte folgte 1985.
Seit 1994 gehören die drei Hochöfen zum Landschaftspark Duisburg-Nord.

Hochöfen Phoenix-Rheinrohr, Werk Hüttenbetrieb 1959.

Hochofen 1: Gestelldurchmesser 5,2 m.
Hochofen 3: Gestelldurchmesser 4,5 m.
Hochofen 4: Gestelldurchmesser 5,2 m.
Hochofen 5: Gestelldurchmesser 5,2 m.

Drahtstrasse IV


Eine weitere Walzstrasse die sich an der Ruhr z.Z. im Abriss befindet ist die im März 1968 in Betrieb genommene Drahtstrasse IV der ehem. Niederrheinischen Hütte in Duisburg-Hochfeld.
Das 4-adrige vollkontinuierliche Walzwerk ersetzte damals die älteren Strassen I und II in Hochfeld.
Sie bestand aus einer 7-gerüstigen Vorstrasse, einer 8-gerüstigen Zwischenstaffel und vier Fertigblöcken.
2013 übernahm die neue Drahtstrasse von ArcelorMittal in Duisburg die Produktion aus Hochfeld.
Die alte Strasse IV wurde danach meines Wissens nach Nordafrika verkauft.

TKS legt Giesswalzanlage still.

ThyssenKrupp GiesswalzanlageAnläßlich ihres 20-jährigen Jubiläums wurde die GWA noch als weitsichtige und lohnende Investition bezeichnet, nun aber, nur ein Jahr später, wird sie stillgelegt.
Als die GWA im April 1999 in Betrieb genommen wurde war sie die erste Anlage ihrer Art in einem integrierten Hüttenwerk weltweit.
Offenbar hat sich die Erzeugung von Breitband in einer Hitze in diesem Rahmen aber nicht bewährt denn Thyssen-Krupp Steel kündigt an die Anlage zu einer Warmbreitbandstrasse klassischer Bauart umzubauen.

Karte: Niederrheinische Hütte AG, Duisburg, 1964.


Die 1851 gegründete Niederrheinische Hütte die ab 1904 zum integrierten Hüttenwerk ausgebaut worden war spezialisierte sich nach dem 2. Weltkrieg und der Demontage des Blechwalzwerks auf die Herstellung von Drähten und Stabstahl.
Die Roheisenerzeugung wurde zwischen 1955 und 1959 durch den Neubau  der Hochöfen 1 und 3 modernisiert. Der noch von 1937 stammende Ofen 2 konnte 1959 stillgelegt werden. Der Hochofen 3 war mit einem Gestelldurchmesser von 5,5 m, einem Volumen von 725 m³ und einer Profilhöhe (Gestellboden-Gasfang) von 22,25 m der größte Hochofen der NH. 1956 installierte die NH als erstes Hüttenwerk in Deutschland eine Gichtgasturbine zur Erzeugung von Strom und Hochofenwind. Trotzdem belegte die Hütte mit einer Jahresproduktion von circa 400.000 t (1962) nur den 20. Rang unter den deutschen Roheisenerzeugern.
1958 wurde die 1913 erbaute Erzröstanlage mit Handbeschickung (die letzte ihrer Art in Deutschland) durch eine moderne Sinteranlage mit einem 2×30 m Dwight-Loyd Band ersetzt.
1955 übernahm die August-Thyssen-Hütte die Aktienmehrheit der Niederrheinischen Hütte und ab 1958 lieferte die NH Roheisen im Flüssigtransport an das Siemens-Martin-Stahlwerk der ATH.
Nach der Übernahme der Phoenix-Rheinrohr AG durch die ATH in 1964 wurden die Roheisenaktivitäten der Thyssen-Gruppe neu geordnet und auf die Standorte Hamborn, Ruhrort und Meiderich konzentriert.
Der Hochofen 1 der NH wurde daher im August 1965 heruntergefahren und der Ofen 3 als letzter am 23.9.1966 stillgelegt. Die Sinteranlage wurde noch bis Ende der 60er Jahre an die Hüttenwerke Rheinhausen verpachtet.
Das SM-Stahlwerk der NH stammte aus dem Jahr 1906 und wurde bis 1963 mit sieben und danach mit sechs Siemens-Martin-Öfen betrieben. In den 1950er und frühen 1960er Jahren fand eine schrittweise Modernisierung und Umstellung von Generatorgas- auf Ölfeuerung statt. Das SM-Stahlwerk wurde am 5.11.1966 stillgelegt.

1964 betrieb die Niederrheinische Hütte noch sechs Walzstrassen:
Eine Blockstrasse und eine Knüppelstrasse (beide Bj. 1910) zur Erzeugung von Halbzeug im wesentlichen für die eigenen Fertigstrassen.
Die kontinuierlichen Drahtstrassen 2 (Bj. 1930) und 3 (Bj. 1955) und zwei Feineisenstrassen (die 280er und 420er Strassen beide Bj. 1924).
Die 1913 erbaute Drahtstrasse 1 war schon 1963 stillgelegt worden. Mit der Schließung der Flüssigphase der NH wurden 1966 auch die Block- und Knüppelstrasse stillgelegt und das Halbzeug wurde fortan aus dem Thyssenverbund bezogen.
Die Drahtstrasse 2 wurde 1966 stillgesetzt und 1968 durch die neue Drahtstrasse 4 die im Bereich des ehem. Knüppellagers errichtet worden war ersetzt.

1971 fusionierte Thyssen die 1968 übernommene Hüttenwerk Oberhausen AG und die Niederrheinische Hütte zur Thyssen Niederrhein AG. Die Draht- und Feineisenstrassen beider Werke arbeiteten nun im Verbund.
Nach der Stilllegung der Drahtstrasse 3 im Mai 1978 arbeiteten in Hochfeld nur noch die neue Strasse 4 und die beiden Feineisenstrassen.
Die Produktion von Feineisen in Hochfeld wurde 1989 beendet, die Mittelstaffel der 280er Strasse befindet sich heute in der Ausstellung des LWL-Industriemuseums Henrichshütte in Hattingen.
Die Drahtstrasse 4 wurde 1997 an die ISPAT Gruppe verkauft und firmierte seit 2007 unter dem Namen ArcelorMittal Hochfeld GmbH.
2013 wurde die Produktion am Standort der Niederrheinischen Hütte eingestellt und die Walzdrahtfertigung zur neuen einadrigen Strasse nach Ruhrort verlagert.

Vielen Dank an das thyssenkrupp Konzernarchiv und das Stadtarchiv Duisburg für die Unterstützung bei der Erstellung dieser Karte.

The Last One

in Germany. VDM-Metals’ heavy blooming-slabbing mill NO.2 in Duisburg.
VDM Metals Block-Brammenstrasse
The  rolling mill  was built by the DEMAG company from Duisburg and was put into operation at the August-Thyssen Hütte in Duisburg on 1 April 1957.
It supplied slabs to Thyssen’s new wide hot strip mill.
Blooms with a weight of up to 27t are supplied by 18 soaking pits and two cranes.
Two DC engines of 4200 kW each run the two.high rolling stand.
They are fed via a hugh Ilgner transformer consisting of two asynchronous motors with 3500 kW four control generators (two each for a rolling motor) and a flywheel with 566 tm². Illgner Umformer Walzwerk ThyssenThe rolling mill is owned by VDM-Metals now to produce highly alloyed slabs. After the closure of Reiner Brach’s old Klöckner rolling mill in Bremen it is the last of it’s kind in Germany.
Further images.

 

 

Karte der Ruhrgebietsindustrie


Anfang der 1950er-Jahre war das Ruhrgebiet noch jenes einzigartige Labyrinth aus Werksanlagen der Schwerindustrie, Eisenbahntrassen, Kanälen und zersiedelten Großstädten, das der amerikanische Journalist Max Ascoli 1949 unter der Überschrift “Industrial Jungle: the Ruhr” beschrieben hatte. Die kürzlich vom Regionalverband Ruhr veröffentlichten historischen Luftbilder des Ruhrgebiets erlauben nun einen faszinierenden Rückblick auf diese Landschaft.
Als Ergänzung zu den Luftbildern aus dem Jahr 1952 ist diese Karte entstanden.
Sie zeigt die wichtigsten Industriebetriebe  der Region in dieser Zeit gegliedert nach Branchen.