Karte: Niederrheinische Hütte AG, Duisburg, 1964.


Die 1851 gegründete Niederrheinische Hütte die ab 1904 zum integrierten Hüttenwerk ausgebaut worden war spezialisierte sich nach dem 2. Weltkrieg und der Demontage des Blechwalzwerks auf die Herstellung von Drähten und Stabstahl.
Die Roheisenerzeugung wurde zwischen 1955 und 1959 durch den Neubau  der Hochöfen 1 und 3 modernisiert. Der noch von 1937 stammende Ofen 2 konnte 1959 stillgelegt werden. Der Hochofen 3 war mit einem Gestelldurchmesser von 5,5 m, einem Volumen von 725 m³ und einer Profilhöhe (Gestellboden-Gasfang) von 22,25 m der größte Hochofen der NH. 1956 installierte die NH als erstes Hüttenwerk in Deutschland eine Gichtgasturbine zur Erzeugung von Strom und Hochofenwind. Trotzdem belegte die Hütte mit einer Jahresproduktion von circa 400.000 t (1962) nur den 20. Rang unter den deutschen Roheisenerzeugern.
1958 wurde die 1913 erbaute Erzröstanlage mit Handbeschickung (die letzte ihrer Art in Deutschland) durch eine moderne Sinteranlage mit einem 2×30 m Dwight-Loyd Band ersetzt.
1955 übernahm die August-Thyssen-Hütte die Aktienmehrheit der Niederrheinischen Hütte und ab 1958 lieferte die NH Roheisen im Flüssigtransport an das Siemens-Martin-Stahlwerk der ATH.
Nach der Übernahme der Phoenix-Rheinrohr AG durch die ATH in 1964 wurden die Roheisenaktivitäten der Thyssen-Gruppe neu geordnet und auf die Standorte Hamborn, Ruhrort und Meiderich konzentriert.
Der Hochofen 1 der NH wurde daher im August 1965 heruntergefahren und der Ofen 3 als letzter am 23.9.1966 stillgelegt. Die Sinteranlage wurde noch bis Ende der 60er Jahre an die Hüttenwerke Rheinhausen verpachtet.
Das SM-Stahlwerk der NH stammte aus dem Jahr 1906 und wurde bis 1963 mit sieben und danach mit sechs Siemens-Martin-Öfen betrieben. In den 1950er und frühen 1960er Jahren fand eine schrittweise Modernisierung und Umstellung von Generatorgas- auf Ölfeuerung statt. Das SM-Stahlwerk wurde am 5.11.1966 stillgelegt.

1964 betrieb die Niederrheinische Hütte noch sechs Walzstrassen:
Eine Blockstrasse und eine Knüppelstrasse (beide Bj. 1910) zur Erzeugung von Halbzeug im wesentlichen für die eigenen Fertigstrassen.
Die kontinuierlichen Drahtstrassen 2 (Bj. 1930) und 3 (Bj. 1955) und zwei Feineisenstrassen (die 280er und 420er Strassen beide Bj. 1924).
Die 1913 erbaute Drahtstrasse 1 war schon 1963 stillgelegt worden. Mit der Schließung der Flüssigphase der NH wurden 1966 auch die Block- und Knüppelstrasse stillgelegt und das Halbzeug wurde fortan aus dem Thyssenverbund bezogen.
Die Drahtstrasse 2 wurde 1966 stillgesetzt und 1968 durch die neue Drahtstrasse 4 die im Bereich des ehem. Knüppellagers errichtet worden war ersetzt.

1971 fusionierte Thyssen die 1968 übernommene Hüttenwerk Oberhausen AG und die Niederrheinische Hütte zur Thyssen Niederrhein AG. Die Draht- und Feineisenstrassen beider Werke arbeiteten nun im Verbund.
Nach der Stilllegung der Drahtstrasse 3 im Mai 1978 arbeiteten in Hochfeld nur noch die neue Strasse 4 und die beiden Feineisenstrassen.
Die Produktion von Feineisen in Hochfeld wurde 1989 beendet, die Mittelstaffel der 280er Strasse befindet sich heute in der Ausstellung des LWL-Industriemuseums Henrichshütte in Hattingen.
Die Drahtstrasse 4 wurde 1997 an die ISPAT Gruppe verkauft und firmierte seit 2007 unter dem Namen ArcelorMittal Hochfeld GmbH.
2013 wurde die Produktion am Standort der Niederrheinischen Hütte eingestellt und die Walzdrahtfertigung zur neuen einadrigen Strasse nach Ruhrort verlagert.

Vielen Dank an das thyssenkrupp Konzernarchiv und das Stadtarchiv Duisburg für die Unterstützung bei der Erstellung dieser Karte.

Karte: Dortmund-Hörder Hüttenunion, Werk Dortmund, 1957.

DHHU

2,6 Mio. t Rohstahl produzierte die Dortmund-Hörder Hüttenunion 1957 und war damit noch vor Phoenix Rheinrohr und ATH der größte Stahlproduzent Deutschlands. Knapp die Hälfte der Menge (1,2 Mio. t) wurde in zwei Stahlwerken im Werk Dortmund erzeugt.1957 war allerdings auch das Jahr der letzen großen Investition an diesem Standort. Im Mai wurde die neue halbkontinuierliche Mitteleisenstrasse (Walzwerk 2 neu, die grüne Halle hinter der Hauptverwaltung) in Betrieb genommen. Fünf ältere Walzwerke, drei in Dortmund und zwei im Werk Hörde, konnten durch die neue Straße ersetzt werden. Die Profilstahlproduktion wurde nun am Standort Dortmund konzentriert während in Hörde Halbzeug und Grobblech gewalzt wurden.

Trotz der verkehrsgünstigen Lage am Hafen mit eigener Sinteranlage wurde die räumliche Enge am Standort Dortmund zunehmend zum Problem.
In der Schnittfläche zwischen den ehem. Köln-Mindener und Bergisch-Märkischen  Eisenbahnen gelegen mußte das Hochofenwerk auf  kleinstem Raum arbeiten.
Die gleichzeitige Beschickung der Hochöfen über eine Elektrohängebahn, eine Seilbahn und Schrägaufzüge war kompliziert, teuer und in Deutschland vermutlich einmalig. Mit der Entscheidung der DHHU ihr neues Blasstahlwerk (LDAC) in Hörde zu bauen waren auch die Weichen für eine Stilllegung der fünf Dortmunder Hochöfen gestellt.
Ab Juli 1962 wurde nur noch im 3-Ofen Betrieb produziert und am 30.9.1963 ist die Roheisenproduktion im Werk Dortmund endgültig beendet worden. Auch der Betrieb des Thomasstahlwerks machte nun keinen Sinn mehr und es wurde zum 31.10.1963 stillgelegt.
Nach der Fusion mit der Hoesch AG 1966 wurden am Standort Dortmund zwei weitere Profilwalzwerke geschlossen und das Werk firmierte nun unter dem Namen Hoesch Hüttenwerke AG, Werk Union.
In den 1970er Jahren waren dann noch drei Walzwerke und das Siemens-Martin Stahlwerk aktiv (nun SM 1).
Die Mitteleisenstraße aus dem Jahr 1957 und das SM-Stahlwerk wurden 1981 geschlossen.
Ironie der Industriegeschichte war nun, daß von den 14 Walzstrassen die die DHHU Mitte der
1950er Jahre noch in Betrieb hatte nach der Stilllegung der Grobblechproduktion in Hörde 1982 nur zwei der ältesten überlebt  hatten. Die Blockstrasse und das Walzwerk 1 (schwere Profilstrasse) im Werk Union.

Am  17.12.2015 wurden auch sie stillgelegt.

Dank an das thyssenkrupp Konzernarchiv und das Stadtarchiv Dortmund für die Unterstützung bei der Erstellung dieser Karte.

 

 

Karte: Klöckner-Werke AG, Hütte Haspe, circa 1965.

 

Karte, Klöckner Hasper Hütte, 1965
Das ehem. Klöckner Hüttenwerk in Hagen-Haspe ist heute fast vollständig verschwunden.
Um die Anlagen im heutigen Kontext auf aktuellen Karten und Luftbildern wieder sichtbar zu machen habe ich im Rahmen meines Projekts “Mapping The European Iron And Steel Industry” begonnen eine detaillierte Karte der Hütte, Stand 1965, zu erstellen.
Die Roheisenerzeugung der Hasper Hütte wurde zwischen 1906 und 1914 in Betrieb genommen. Damit war sie, abgesehen von den Hochöfen der Firma Mannesmann in Huckingen, das jüngste Hochofenwerk im Ruhrgebiet.
Der Hochofen 2 wurde 1953 im alten Traggerüst erneuert und der Ofen 1 1959 komplett neuerbaut. Ansonsten präsentierte sich die Anlage 1965 noch weitgehend in ihrer ursprünglichen Form. Der Ofen 4 wurde im gleichen Jahr stillgelegt und dann abgerissen.
Die restlichen Hochöfen produzierten bis zur endgültigen Stilllegung der Flüssigphase in Haspe im Sommer 1972 weiter. Abriss ab 1974.
Die Fundamente der Öfen und der Möllerung befinden sich überwiegend noch heute im Boden unter der Sport-Freizeitanlage Hagen-Haspe.
Das Thomas-Stahlwerk der Hasper Hütte stammte aus dem Jahr 1927. 1955 waren die Konverter von 24 auf 26 t Abstichgewicht vergrößert worden. Stilllegung 29.7.1972.
Das Siemens-Martin Stahlwerk war 1914 in mit drei Öfen in Betrieb genommen worden. 1918 und 1940 wurden zwei weitere Öfen eingebaut.
Diese fünf Öfen mit Generatorgasbeheizung und einem Abstichgewicht von 50-60t wurden 1960/61 durch drei 85 t Aggregate mit Ölbeheizung ersetzt. Dabei wurde aus dem alten Ofen V der neue Ofen I. Die Ölbrenner liefen mit 2000° C etwa 200° C heißer als die der alten Öfen und verbrauchten rund 3000 t schweres Heizöl im Monat.
Mit der Stilllegung des Blechwalzwerks 1967 war die aufwändige Erzeugung hochwertiger SM-Stähle in Haspe weitgehend überflüssig geworden. Am 4.12.1967 endete die Produktion.
In Ermangelung einer Strangussanlage mußten bei der Hasper Hütte alle aus den Stahlwerken kommenden Blöcke über eine der beiden Vorblockstrassen laufen.
Die Vorblockstrasse 1 befand sich an der Voerderstrasse und wurde aus mit Gichtgas beheizten Stossöfen beschickt. Sie wurde 1967 stillgelegt.
Die Vorblockstrasse 2 lag parallel zur Haenelstrasse. Sie wurde 1962 durch Neubau eines 800er Triogerüsts ertüchtigt um die beiden neuen Feineisen- und Drahtstrassen in Kückelhausen mit Vormaterial zu versorgen. Stilllegung 1972.
Darüber hinaus waren in Haspe bis 1967 noch zwei offene Stabstrassen mit gemeinsamer Konti-Vorstrasse und eine Konti-Knüppelstrasse in Betrieb.
1913 nahm die Hasper Hütte etwa 1,2 km östlich des Stammwerks in Kückelhausen eine Grob- und eine Mittelblechstrasse in Betrieb. 1928 kam ein Feinblechwalzwerk hinzu.
1955 wurde unmittelbar östlich an die Blechwalzwerke angrenzend eine 23-gerüstige kontinuierliche Feineisenstrasse in Betrieb genommen und 1956 durch eine nachgeschaltete 16-gerüstige Drahtstrasse erweitert.
1961 wurden die in Konkurrenz zu modernen Warmbreitbandstrassen nicht mehr wettbewerbsfähigen Mittel- und Feinblechstrassen stillgelegt. In die freigewordenen Hallen wurde 1961/62 eine 24-gerüstige moderne kontinuierliche Drahtstrasse eingebaut.
1967 Schließung des Grobblechwalzwerks.
Ab 1972, nach der Schließung der Metallurgie in Haspe, bezogen die Walzwerke in Kückelhausen  ihr Vormaterial von anderen Herstellern, z.T. auch aus dem Ausland.
Diese ungünstige Vormaterialversorgung führte im April 1979 zur Stilllegung der Feineisen- und Drahtstrasse und am 22.12.1982 nach Schließung der kont. Drahtstrasse zur endgültigen   Aufgabe der Produktion in Hagen-Haspe.
Neben den Normalspurgleisen betrieb die Werksbahn der Hasper Hütte bis 1972 auch ein 900 mm Schmalspurnetz. Über dieses wurde bis 1965 auch Schlacke zur 4 km entfernten Halde in Volmarstein transportiert.
In Kückelhausen waren auch zwei Hakenbahnen zum Transport von Drahtbunden zur Adjustage und in die Verladung in Betrieb.
Die Gasversorgung des Thomasstahlwerks (Pfannenfeuer) und der Walzwerke in Haspe erfolgte vom 10000 m³ Gichtgasbehälter hinter den Hochöfen aus. 1937 wurde eine 1100 mm Gichtgasleitung in den Werksteil Kückelhausen zur Versorgung der dortigen Walzwerke gebaut.

Dank an das Stadtarchiv in Hagen und das Westfälische Wirtschaftsarchiv in Dortmund für die Unterstützung bei der Erstellung dieser Karte.

Karte der Ruhrgebietsindustrie


Anfang der 1950er-Jahre war das Ruhrgebiet noch jenes einzigartige Labyrinth aus Werksanlagen der Schwerindustrie, Eisenbahntrassen, Kanälen und zersiedelten Großstädten, das der amerikanische Journalist Max Ascoli 1949 unter der Überschrift “Industrial Jungle: the Ruhr” beschrieben hatte. Die kürzlich vom Regionalverband Ruhr veröffentlichten historischen Luftbilder des Ruhrgebiets erlauben nun einen faszinierenden Rückblick auf diese Landschaft.
Als Ergänzung zu den Luftbildern aus dem Jahr 1952 ist diese Karte entstanden.
Sie zeigt die wichtigsten Industriebetriebe  der Region in dieser Zeit gegliedert nach Branchen.